Eindrucksvolle Nachtaufnahmen leichtgemacht

Bei Nacht ergeben sich oft spannende Motive. Zum Beispiel die Lichter einer Stadt mit deren Spiegelung im Wasser. Aber wie bildet man diese einzigartige Aussicht ab? Welche Kamera-Einstellungen sollte man wählen, um ein optimales, scharfes und möglichst rauschfreies Bild zu erhalten? In diesem Artikel wird das Wichtigste beleuchtet, was ihr bei Nachtaufnahmen beachten sollten.

Durch eine Belichtungszeit von 30 Sekunden wird das Meer zu einer glatten Fläche und spiegelt die Lichter der Stadt.

Durch eine Belichtungszeit von 30 Sekunden wird das Meer zu einer glatten Fläche und spiegelt die Lichter der Stadt.

Die Kamera

Voraussetzung für diese Anleitung ist, dass eure Kamera manuelle bzw. wenigstens halbautomatische Modi hat. Die Kamera einfach auf Blitz-Modus zu stellen, führt meist zu einem unbefriedigenden Ergebnis, da die Reichweite eines Blitzes zu kurz ist, dass sich der Einsatz für Landschaften bzw. Stadtfotos eignet.

Equipment

Neben einer Kamera mit einem manuellen Modus empfiehlt sich folgendes Zubehör:
Stativ: Für gelungene Nachtfotos führt kein Weg an langen Belichtungszeiten herum. Da sekundenlange Aufnahmen nicht einfach aus der Hand geschossen werden können, solltet ihr zumindest ein Stativ benutzen. Alternativ könnt ihr verfügbare Flächen benutzen, auf die ihr die Kamera legen können, ohne dass die Kamera wackelt. Diese Alternative schränkt eure Möglichkeiten bei der Bildkomposition jedoch extrem ein.
Fernauslöser (mit Timer-Funktion): Auch wenn ihr ein Stativ einsetzten, kann es gerade beim Drücken auf den Auslöser zu Verwackelungen kommen. Deswegen bietet sich der Einsatz eines Fernauslösers an. Fernauslöser sind oft günstig im Internet zu bekommen, achtet jedoch umbedingt darauf, dass die Kamera einen Anschluss besitzt und das Zubehör mit eurem Modell kompatibel ist.
ND-Filter (optional): Trotz einer hohen Blendenzahl (z.B. f/22) kann es sein, dass euer Bild – gerade bei viel Umgebungslicht – schon nach einigen Sekunden überbelichtet ist. Falls ihr jedoch möchten, dass fließendes Wasser zu einer scheinbar glatten Fläche wird und die einzelnen Wellen verschwinden, solltet ihr länger belichten. ND-Filter reduzieren zusätzlich die Lichtmenge, die durch das Objektiv auf den Sensor fällt, wodurch die Belichtungszeit länger eingestellt werden kann.

Kameraeinstellungen

Bei langen Belichtungszeiten verschwimmen die Lichter von Autos und zeichnen so den Verlauf der Straße nach. CC-BY-SA Squeaks2569

Bei langen Belichtungszeiten verschwimmen die Lichter von Autos und zeichnen so den Verlauf der Straße nach. CC-BY-SA Squeaks2569

Wechseln Sie in den Manuellen Modus (M). Hier haben Sie die Möglichkeit alle Aufnahme-Einstellungen zu wählen.

ISO (Lichtempfindlichkeit)
Gerade bei nächtlichen Aufnahmen sollte der ISO-Wert, also die Lichtempfindlichkeit, möglichst niedrig eingestellt werden (100-400), da es bei höheren ISO-Zahlen schnell zu unschönem Bildrauschen kommen kann. Bildrauschen entsteht vor allem in den sehr hellen und sehr dunklen Bereichen des Bildes. Je kleiner der Sensor ist (bei Einsteigerkameras sind oft wesentlich kleinere Sensoren als bei High-End-Produkten verbaut), desto stärker ist das Rauschen.

Stellt den ISO-Wert falls möglich am besten auf 100 oder 200 ein, damit ihr die optimale Bildqualität aus eurem Bild herausholt. Dadurch erhöht sich natürlich auch die Belichtungszeit.

Blende

Hier wurden die Lichter des Time Squares in Szene gesetzt. CC-BY Kennymatic

Hier wurden die Lichter des Time Squares in Szene gesetzt. CC-BY Kennymatic

Die Wahl der Blende ist abhängig davon, wie ihr Bewegungen einfangen wollt und welche Schärfe euer Bild haben soll. Wenn ihr zum Beispiel Personen auf einer belebten Einkaufsstraße einfangen wollt, ohne dass die einzelnen Personen unscharf werden, müsst ihr die Blende relativ geöffnet haben, sodass die Belichtungszeit nicht 1/100 übersteigt (ein Hundertstel einer Sekunde). Bei Stadt-/Landschaftsaufnahmen ist das Ziel meist ein anderes. Hier solltet ihr die Blende schließen (je nach gewünschter Tiefenschärfe f/8 bis f/22) und auf eine lange Belichtungszeit setzten.

Belichtungszeit

Extreme Langzeitbelichtungen können ein paar EV-Steps überbelichtet eine Tag ähnliche Stimmung bewirken. Hier wurde das Bild zum Beispiel 207 Sekunden lang belichtet.

Extreme Langzeitbelichtungen können ein paar EV-Steps überbelichtet eine Tag ähnliche Stimmung bewirken. Hier wurde das Bild zum Beispiel 207 Sekunden lang belichtet.

Abhängig von eurer Kamera sind Belichtungszeiten von mehreren Minuten möglich. Überprüft, ob eure Kamera einen Bulb-Modus hat. Dieser Modus bedeutet, dass die Kamera so lange Licht auf den Sensor treffen lässt, wie ihr auf den Auslöser drücken (hier empfiehlt sich der Einsatz eines Fernauslösers).

Die richtige Belichtungszeit hängt mit ISO und Blende zusammen. Kameras können zwar eine ungefähre Belichtungsmessung vornehmen, an der man sich orientieren kann, jedoch ist man nur auf der sicheren Seite, wenn man verschiedene Zeiten durchprobiert, bis sich das gewünschte Ergebnis offenbart.

Weißabgleich

Der Weißabgleich sollte auf künstliches Licht eingestellt werden. Falls eure Kamera die Speicherung der Fotos im RAW-Format unterstützt, solltet ihr diese Einstellung wählen, da die nachträgliche Anpassung des Weißabgleichs so leichter fällt. Dabei solltet ihr beachten, dass ihr dann die Ausarbeitung in einem Bildbearbeitungsprogramm (z.B. Photoshop, Lightroom etc.) vornehmen müssen.

Autofokus

Bei vielen Kameras funktioniert der Autofokus bei unbefriedigenden Lichtverhältnissen schlecht bis gar nicht. Deswegen solltet ihr manuell fokussieren. Falls eure Kamera einen LiveView-Modus hat, ist ziemlich einfach, ansonsten empfiehlt es sich, den Fokusring bis zu einer angemessenen Entfernung, in der ihr euer Motiv schätzen, zu bewegen (die meisten Objektive zeigen die Fokus-Distanz an).

Fazit

Nachtfotos bedeuten nicht immer Langzeitbelichtungen. Offenblendig wurden hier Reflexionen am Grazer Hauptplatz festgehalten.

Nachtfotos bedeuten nicht immer Langzeitbelichtungen. Offenblendig wurden hier Reflexionen am Grazer Hauptplatz festgehalten.

Mit diesen Tipps und Erklärungen sollten eindrucksvolle Nachtaufnahmen keine Hürde mehr sein. Wenn ihr selbst noch Anregungen oder Tricks zu Nachtfotografie habt, dann lasst uns diese doch in einem Kommentar wissen. Wir freuen uns darauf, von euch zu lesen!

Wir danken unserem Gastblogger Elias von Haushoch Graz für diesen Beitrag.

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Monique

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