Licht und Landschaft fotografieren

Aus fotografischer Sicht ist eine Landschaft etwas ganz Besonderes: Sie können sie in der Regel nicht verändern, sondern betreten sie, ändern Ihren Standpunkt in ihr – und warten auf das richtige Licht. Dann nämlich wird aus einer gleichmäßig beleuchteten Landschafts-Szene durch eine besondere Lichtsituation etwas fotografisch Einzigartiges. Kommen Sie dem Licht mit unseren Tipps fotografisch auf die Spur:

Tipp 1: Der Moment der besonderen Beleuchtunglandschaft-fotografieren-main

Die Abendsonne taucht die Bergkette in rot-gleißendes Licht, auch bekannt als „Alpenglühen“, oder einzelne Sonnenstrahlen fallen durch die Wolkendecke und beleuchten das Meer: Diese und viele ähnliche Situationen entstehen, wenn die Sonne als Lichtgeber die Landschaft nur teilweise oder zu einem bestimmten Moment beleuchtet. Und obwohl die Landschaft selbst sich nicht bewegt – jetzt heißt es als Fotograf schnell zu reagieren, da diese besondere Lichtsituation nur für eine kurze Dauer besteht. Aber wie wissen Sie, wann dieser entscheidende Moment kommt?

1. Fragen Sie Einheimische, vor allem in den Bergen. Die wissen genau, wann die Sonne welche Berge abends oder morgens besonders eindrucksvoll zur Geltung bringt.
2. Anhand der Sonnenbahn und diversen Positions-Apps auf dem Smartphone können Sie die Wahrscheinlichkeit von Lichtsituationen selber bestimmen. Da die Sonne beispielsweise immer im Westen untergeht, kommen für Alpenglühen-Szenarien nur Berge in Frage, deren Wände gen Westen gerichtet sind und so für die Abendsonne eine Licht-Projektionsfläche bilden.
3. Für die Morgensonne ist entsprechend die Ostseite die entscheidende.

Tipp 2: Das Licht als Konturengeber

Wenn die Sonne niedrig und/oder die Position des Fotografen in einem seitlichen Winkel zur Sonne steht, wird die Landschaft durch das sogenannte Streiflicht plastisch beleuchtet. Alle Konturen treten dann besonders stark hervor, die Szenerie wirkt fast dreidimensional. Zustande kommt diese Wirkung dadurch, dass die flache Stellung der Beleuchtungsquelle selbst kleine Details einen Schatten werfen lässt, was diese besondere Plastizität bewirkt. Besonders geeignete Motive für diese Art der Lichtgestaltung sind große, unregelmäßige Flächen wie Äcker und Wiesen oder auch Felswände und Sanddünen, vor allem auch im Blick von oben. Besonders intensiv ist diese Wirkung in der Regel in Schwarzweiß mit erhöhtem Kontrast (Orange- oder Rotfilterfunktion) oder in Farbe in der Einstellung „vivid colours“ beziehungsweise durch erhöhte Gradation in der späteren Bildbearbeitung.

Tipp 3: Volle Power – Gegenlicht

Die ganze gestalterische Kraft des Lichts spürt man am deutlichsten, wenn das Licht von vorne kommt als sogenanntes Gegenlicht. Alles, was nur ein wenig Licht durch lässt, fängt an zu Leuchten anstatt beleuchtet zu werden. In solchen Situationen ist die Landschaft selbst weniger das visuelle Ereignis als die fotografische Lichtsituation. Diese stellt an den Fotografen und die Kamera vor allem belichtungstechnisch große Herausforderungen. Wollen Sie sowohl in den Schwärzen als auch in den Lichtern noch Zeichnung haben, müssen Sie den übergroßen Dynamikumfang des Motivs in den Griff bekommen – beispielsweise durch HDR-Einstellung. Oft sind aber auch dunkel-schwarze Motivteile gestalterisch reizvoll, wenn dafür in den Lichtern noch Details zu erkennen sind. Umgekehrt allerdings sieht das meistens weniger gut aus: Stark überstrahlte Lichter wirken besonders bei Landschaften als fotografischer Fehler – im Gegensatz beispielsweise zur Street-Fotografie, wo das besonders authentisch wirkt.

Tipp 4: Die Lichtquelle selbst als Motiv

Eines der meist fotografierten Motive überall auf der Welt ist eine Lichtquelle: Die Sonne, wenn sie untergeht. Hier zählt weniger die Landschaft, wo das passiert, als vielmehr die Farb- und Lichtspiele, die sich aus diesem Szenario ergeben. Sie können diesen Effekt noch deutlich verstärken, wenn die Sonne über einer Wasserfläche untergeht, die das dramatische Lichtspektakel am Himmel auf der Wasseroberfläche spiegelt und dadurch mindestens verdoppelt. Nun hängt Sonnenuntergängen häufig der Nimbus des Kitsches an, „ernsthafte“ Fotografen machen einen Bogen um diese Motive. Eigentlich ganz zu Unrecht: Auch hier gibt es Herausforderungen durch entscheidende Momente, wenn die Sonne so gerade eben noch am Horizont sichtbar ist oder durch eine entsprechend anspruchsvolle Bildgestaltung, beispielsweise durch besondere Wolkenbildungen oder entsprechende Arrangements im Bildvordergrund.

Durch lange Belichtungszeiten (1/4 oder 1/8 Sekunde, sonst werden die Farben zu hell) und horizontal, verzogene Kamerabewegung während des Belichtens erhalten Sie einen ganz neuen, impressionistischen Effekt.

Es gibt viel zu Experimentieren mit Licht und Landschaft. Gehen Sie raus mit Ihrer Kamera und starten Sie Ihre eigene fotografische „Licht-Mission“. Eine faszinierende Landschaft im perfekten Licht – das ist der ständige Genuss eines Momentes, in welchem der Fotograf das Beste aus dem gemacht hat, was die Natur ihm geboten hat. Das Ergebnis ist prädestiniert um als CEWE WANDBILDER im Großformat festgehalten zu werden.

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Monique

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