FARBEN beherrschen die Welt

Liebe Leserinnen und Leser,

was wäre die Fotografie ohne Profifotografen und eine Blog zum Thema Fotografie ohne Fotoexperten, die ihre Tipps und Tricks verraten? Es freut uns daher ganz besonders, euch unseren ersten Gastbeitrag zum Thema Farbfotografie von Anselm F. Wunderer vorzustellen. Anselm F. Wunderer befasst sich bereits seit seiner Kindheit mit Fotografie und schaffte es, diese Leidenschaft zu seinem Beruf zu machen. Der 1944 geborene Wiener arbeitete nicht nur nur für namhafte Firmen wie Kodak oder Leica, sondern fungiert auch seit 1997 als Präsident der Photographischen Gesellschaft. Als Gründer der Firma Creativ Foto organisiert er neben seiner Tätigkeit als Fotograf auch zahlreiche Veranstaltungen rund um das Thema Fotografie. In seinem Blogartikel eröffnet er für euch, die spannende Welt der Farbfotografie mit so manch spannenden Tipps. Viel Spass beim Lesen!

Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Farben, oder wir könnten nur Hell und Dunkel wahrnehmen. Die Welt wäre “Schwarz-Weiß”.

Fasz-nur-noch-Schwarz-Weiß

Licht- und Schattenspiel in zwei Tönen.

Dann hätte man sich die Mühe, die Farbfilme zu erfinden sparen können. Auch der Schritt zur digitalen Fotografie wäre viel einfacher gewesen und diesen Beitrag gäbe es natürlich auch nicht. Zum Glück ist unser Planet bunt und unsere Kameras können Farben „sehen“, auswerten und in Millionen Nuancen festhalten. Das kommt uns sehr zugute, denn der Mensch ist ein „Augentier“.

Ich hatte einmal ein rotes Auto. Und es gab noch keine EU und damit kein europaweites Fahren ohne Grenzkontrollen. Wann immer ich zu einer Landesgrenze kam, hieß es rann fahren und Kofferraum öffnen. Auch beim Überziehen der Parkzeit, erwies sich das rote Auto aus Magnet für Polizisten. Rot ist eine Signalfarbe und erweckt Aufmerksamkeit. So wie ich mit einem silberfarbenen Auto recht unauffällig unterwegs sein kann, ziehen auch Bilder mit zarten Farben die Blicke des Betrachters nicht so leicht an.

Monochrom

So verschieden kann die Farbe Rot sein!

Farben beherrschen also die Welt, auf alle Fälle die, in der wir heute leben, und damit die Fotografie.

 Harmonie der Farben

Eine effektive Gegenüberstellung von Basisfarben.

Eine effektive Gegenüberstellung von Basisfarben.

… und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. So enden viele Märchen, die zugleich den Stoff zu Filmen liefern. Von Dornröschen bis Schneewittchen, eine Zukunft voller Harmonie. So wie Prinzen und Prinzessinnen besonders gut – zumindest, wenn wir den Gebrüdern Grimm glauben wollen – zusammenpassen, so ist es auch mit Farben. Warme Farben, kalte Farben, damit gibt es bereits zwei Lager für Farbharmonien. Darüber hinaus können sich auch Harmonien im Grenzbereich bilden. Was nun tatsächlich harmonisch ist, wird jeder ein wenig anders sehen. Schön ist letztlich was gefällt.

Farb-Kontraste

Ganz grau in blau, doch unheimlich genial!

Ganz grau in blau, doch unheimlich genial!

Wer auffallen will, muss sich etwas einfallen lassen. Notfalls mit bunter Kleidung. Einst orientierten sich Kaiser und Könige daran, nach wie vor aber Papageien und anderes Federvieh. Kontrastreich hoben sich geistliche wie weltliche Würdenträger von den grauen und braunen Kutten der einfachen Menschen ab. Der Pfau schlägt ein tolles Rad und andere Tiere vollführen die kühnsten Tänze, um von den Damen beachtet zu werden. Oder noch ein anderes Beispiel: Fließt ein Fluss friedlich dahin findet er, von Badegästen einmal abgesehen, kaum Beachtung. Ein paar Kilometer weiter, stürzt er über eine 80 Meter hohe Stufe. Zu dieser Stelle pilgern jährlich tausende Touristen. Es ist einfach der Kontrast zwischen dem geordneten und dem spektakulären Wasserlauf. Wie in der Natur, so haben Gegensätze auch in Bildern viele “Gesichter”. Nicht nur Komplementärfarben wie Blau vs. Gelb sorgen für kontrastreiche Aufnahmen, auch Schwarz und Rot schaffen das zum Beispiel. Wichtig ist vor allem, dass die Kontrahenten in voller Sättigung gegeneinander antreten.

Gewichtung und Position

Gekonnt die richtigen Akzente setzen.

Gekonnt die richtigen Akzente setzen.

Es kommt auf die Menge und die Intensität an. Ein Hauch von Chili verleiht selbst Schokolade ein unverkennbares Aroma. Zu viel würde sie jedoch ungenießbar machen. Mit den Farben ist das so ähnlich. Dominante, besonders leuchtende Farben kommen selbst dann zur Geltung, wenn sie höchst bescheiden in einem Bild vertreten sind. Dezentere brauchen da schon eine größere Fläche. Das liegt aber nicht an den Farben, sondern wieder einmal an unserer Wahrnehmung, die ziemlich konservativ programmiert ist. Nicht zu viel vom Einen, aber bitte mit großer Leuchtkraft. Und dann soll auch alles noch übersichtlich angeordnet sein. Ja so ist das, je mehr wir uns mit den sonderbaren Sehgewohnheiten des Menschen auseinandersetzten, umso gezielter können wir ansprechende Bilder schaffen.

Anselm F. Wunderer

Text und Bilder sind dem Buch FARB GESTALTUNG der Reihe clever fotografieren, erscheinen im Verlag Photographie entnommen.
Zur Website: CF1.at

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Monique

Monique

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